Was bedeutet die Schliessung der Schulen, Krippen und Hort für Arbeitnehmende?

Der Bundesrat beschliesst, landesweit und auf allen Stufen die Schulen zu schliessen. Was bedeutet dies für erwerbstätige Eltern?

Die Antwort im Detail

Lese die Auswirkungen der neusten Entwicklungen in unserem Rechtstipp Corona: Die neusten Entscheidungen des Bundes und ihre Auswirkungen

Corona: Schliessung der Schulen - was bedeutet das für mich?

Stand 12.03.2021

Aufgrund der gegenwärtigen Corona Situation ist es möglich, dass Schulen auf behördliche Anweisung hin geschlossen bzw. Klassen in Quarantäne geschickt werden. Dies stellt sowohl Arbeitnehmende als auch Arbeitgebende vor Herausforderungen – insbesondere auch deshalb, weil der Bundesrat davon abrät, Kinder durch die Grosseltern betreuen zu lassen. Ältere Personen gehören zur Risikogruppe und sollten besonders geschützt werden.

Was konkret bedeuten solche Massnahmen für erwerbstätige Eltern?

MyRight hat einige Antworten zu möglichen Fragen zusammengestellt. Wir möchten darauf aufmerksam machen, dass es eine solche Situation in einem solchen Ausmass noch nicht gab und deshalb schweizweit Erfahrungswerte fehlen. Wir empfehlen dir, dich auf jeden Fall gut mit deiner Arbeitgeberin oder deinem Arbeitgeber abzusprechen und zu versuchen, gemeinsam eine Lösung zu finden. Denn auch für Arbeitgebende ist diese Situation aussergewöhnlich und besonders herausfordernd.

Bin ich dazu verpflichtet, die Betreuung meiner Kinder sicherzustellen, damit ich arbeiten kann?

Wenn möglich ist die Kinderbetreuung so zu organisieren, dass du zur Arbeit kannst. Jedoch hast du auch eine gesetzliche Pflicht, für deine eigenen Kinder zu sorgen. Falls es keine andere Möglichkeit gibt, darfst du ausnahmsweise der Arbeit fernbleiben, um dich um deine Kinder zu kümmern. Du bist dazu verpflichtet, möglichst rasch eine alternative Betreuung zu organisieren. Eventuell kannst du dich mit deinem Partner oder deiner Partnerin abwechseln? Gibt es andere Familien im Quartier, mit denen du dich bei der Kinderbetreuung zusammentun kannst? Gibt es Möglichkeiten in der eigenen Familie? Bitte berücksichtige dabei die Ansteckungsgefahr für ältere Personen, die zu einer Risikogruppe gehören.

Muss ich Ferien beziehen für die Zeit, in welcher mein Kind aufgrund der behördlichen Anordnung zu Hause bleiben wird?

Aufgrund der gesetzlichen Betreuungspflicht dürfen die Eltern für eine beschränkte Zeit (siehe Artikel 324a OR) zu Hause bleiben. Als Faustregel gelten drei Tage. Uneinigkeit besteht allerdings, ob der Lohn durch den Arbeitgeber weiterhin geschuldet ist. Zudem müssen sich die Eltern bemühen, so rasch als möglich eine andere Lösung für die Kinderbetreuung zu organisieren, um weitere Absenzen zu verhindern. Um Streitigkeiten mit deinem Arbeitgeber zu verhindern, ist es in jedem Fall ratsam, dass du dich vorab mit ihm absprichst. Musst du aufgrund der Kinderbetreuung länger von der Arbeit fernbleiben, dann suche mit deinem Arbeitgeber Lösungen wie Ferienbezug oder Abbau von allfälligen Überstunden.

Ich muss meine Erwerbstätigkeit unterbrechen, da ich keine Lösung für die Betreuung meiner Kinder habe und die Schulen aufgrund der aktuellen Situation weiterhin geschlossen bleiben. Erhalte ich eine Entschädigung für die Zeit, in der ich nicht arbeiten kann?

Auf der Seite des Bundes "Entschädigung für Erwerbsausfall bei Massnahmen gegen das Coronavirus" findest du die Situationen, in denen die Entschädigung, unter Berücksichtigung des COVID-19-Gesetzes vom 25. September 2020, beansprucht werden kann.

Wenn der Schulbetrieb wieder anläuft, darf ich meine Kinder dennoch zu Hause behalten, wenn ich Angst habe, dass es sich in der Schule mit dem Coronavirus ansteckt?

Die Rechtslage in diesem Fall ist klar: Allein die Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus berechtigt die Eltern nicht, die Kinder nicht in die Schule zu schicken.

Was sind die Pflichten der Schulen?

Die Schulen sind verpflichtet, sich an die Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und die Anordnungen der Kantone zu halten und beispielsweise über zu treffende Hygienemassnahmen zu informieren. Aufgrund von Anordnungen der Gesundheitsbehörden können sie den Schulbetrieb bei konkreter Ansteckungsgefahr einstellen.

Der Kanton hat in unserer Gemeinde angeordnet, dass die Krippen und der Hort aufgrund des Coronavirus zur Zeit keine Kinder mehr betreuen dürfen. Muss ich den Beitrag für die Krippe bzw. den Hort dennoch bezahlen?

Wir raten dir, zunächst den Vertrag zu konsultieren. Ist darin nichts geregelt, kannst du davon auszugehen, dass der Vertrag für die Dauer der Schliessung suspendiert wird. Das heisst, es sind für die Zeit, in welcher dein Kind aufgrund der behördlichen Anordnung die Kinderbetreuungsstätte nicht besuchen kann, keine Zahlungen zu leisten. Da die Kita oder der Hort durch die angeordnete Schliessung seine Leistung zeitweise nicht erbringen kann, ist sogar eine Vertragsauflösung denkbar. Schadenersatz ist jedoch nicht geschuldet.
Wir raten dir, zeitnah die Kita bzw. den Hort zu kontaktieren und eine geeignete Lösung (bspw. Aussetzen der Zahlungspflicht für Dauer der Schliessung oder Aufhebung des Vertrags) zu suchen und diese schriftlich festzuhalen (inklusive Unterschrift).

Bitte beachte: Wenn du aufgrund der aktuellen Situation aus eigenem Antrieb darauf verzichtest, dein Kind in die Krippe oder den Hort zu schicken, bleibst du zahlungspflichtig.

Aktuelle Informationen findest du jederzeit beim Bundesamt für Gesundheit BAG.

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Wichtige Dokumente
Verordnung 2 über Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus