In Deutschland zu schnell gefahren? Muss ich mein Billet abgeben?

Hier findest du Informationen zu den rechtlichen Folgen, wenn du auf den deutschen Autobahnen zu schnell gefahren bist.

Die Antwort im Detail

Was tun bei Geschwindigkeitsübertretung in Deutschland?

Rechtliche Konsequenzen

Widerhandlungen gegen das deutsche Strassenverkehrsgesetz werden in aller Regel mit einer Busse und in gewissen Fällen mit einem Fahrverbot bestraft. Das gilt natürlich auch für Herrn und Frau Schweizer, die mit dem Auto in Deutschland unterwegs sind.

Die rechtlichen Konsequenzen einer Geschwindigkeitsüberschreitung in Deutschland reichen von einer Busse bis hin zu einem Fahrverbot. Das Fahrverbot für Schweizer Lenkerinnen und Lenker beschränkt sich jedoch nur auf Deutschland. Auf die Schweiz wirkt sich das Fahrverbot nicht aus, wenn die Sanktion in der Schweiz nicht aktenkundig wird. 

Wann wird eine Sanktion in der Schweiz aktenkundig?

  • wenn das deutsche Amt den Entzug des Billets aktiv in der Schweiz meldet
  • wenn die Schweizer Behörde sich in Deutschland erkundigt 
  • oder wenn die Information aufgrund des europäischen Strafnachrichtenaustausches in der Schweiz gemeldet wird.

Wichtig: Sobald dir eine Busse aus Deutschland ins Haus flattert, solltest du prüfen, ob es sich nur um ein sogenanntes Bussgeld handelt oder ob ebenfalls ein Fahrverbot verhängt wird. 

Wird ein Fahrverbot – beispielsweise für einen Monat – ausgesprochen, wird dies im Bussgeldbescheid festgehalten. Wir raten dir, deinen Fahrausweis in diesem Fall den deutschen Behörden einzusenden, damit diese das Fahrverbot eintragen können. Lass dich von uns hier vorab beraten. Im Normalfall erhältst du dein Billet innerhalb einer Woche zurück – versehen mit einem Kleber, der auf das verhängte Fahrverbot aufmerksam macht. In einigen Bundesländern reicht es auch aus, wenn du eine Farbkopie des Ausweises schickst. Am besten erkundigst du dich im Voraus telefonisch bei der Behörde, die auf dem Strafzettel angegeben ist.

Wenn du aus beruflichen Gründen auf deinen Fahrausweis angewiesen bist, kann in Härtefällen das Fahrverbot in eine Busse umgewandelt werden; in diesem Fall wird das Bussgeld in der Regel verdoppelt. Dies gilt allerdings nur dann, wenn du wirklich beruflich auf dein Fahrzeug angewiesen bist und das Fahrverbot in Deutschland die Ausübung des Berufes massiv einschränken würde. Du musst damit rechnen, dass ein deutsches Fahrverbot auch in der Schweiz zu einem Entzug des Führerscheins führen kann, sofern die Schweizer Behörden von der Widerhandlung in Deutschland erfahren (Art. 16cbis SVG). Der Gesetzgeber will damit erreichen, dass Herr und Frau Schweizer im Ausland nicht gegen die Gesetze verstossen und danach negative Konsequenzen im Heimatland tragen müssen.

Aus folgenden Gründen wird dir in der Schweiz ein Lernfahr- oder Führerausweis nach einer Widerhandlung entzogen:

  • wenn einerseits im Ausland ein Fahrverbot verfügt wurde
  • und andererseits die Widerhandlung nach Art. 16b und 16c SVG als mittelschwer oder schwer zu qualifizieren ist.

Eine mittwelschwere Widerhandlung ist eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 21-24 km/h in der 30er Zone oder innerorts, 26-29 km/h ausserorts und 31-34 km/h auf der Autobahn. Eine schwere Widerhandlung ist eine Geschwindigkeitsüberschreitung ab 25 km/h in der 30er Zone oder innerorts, ab 30 km/h km/h ausserorts und ab 35 km/h auf der Autobahn.
  
MyRight rät dir, dich an das Strassenverkehrsgesetz in Deutschland zu halten. Vorsicht ist vor allem auf den Autobahnen geboten. Nicht auf allen Abschnitten kann man so schnell fahren wie man möchte. In Deutschland sind Geschwindigkeitsüberschreitungen keine Kavaliersdelikte, auch wenn die Bussgelder nicht ganz so hoch sind wie in der Schweiz.
Grundsätzlich ist es empfehlenswert, mit den deutschen Behörden zu kooperieren. Aufgrund des Polizeivertrages zwischen der Schweiz und Deutschland können die Deutschen bei den Schweizer Behörden um Angaben zu Fahrzeugen und deren Halter bitten – und damit werden Delikte auch in der Schweiz aktenkundig. Bist du beruflich auf die Fahrerlaubnis angewiesen und würde das Fahrverbot deine Berufsausübung stark einschränken, muss in der Regel ein Gericht darüber entscheiden, ob ein Härtefall vorliegt und auf das Fahrverbot verzichtet werden kann. Die Tatsache, dass du beruflich auf dein Auto angewiesen bist, musst du mit Dokumenten beweisen.

Die folgende Tabelle gibt dir einen Überblick über die Bussgelder und ab welcher Geschwindigkeit du mit einem Ausweisentzug rechnen musst.

Wichtige Dokumente
Geschwindigkeitsüberschreitungen Deutschland