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Situation Insolvenzverfahren Airberlin September 2017

Die derzeitige Situation bei der Fluggesellschaft Air Berlin ist für Aussenstehende sehr undurchsichtig, weil Informationen hierüber vorrangig von der Presse, Rundfunk und Fernsehen verbreitet werden. Nachstehend wird die aktuelle Situation der Air Berlin anhand der zugänglichen Informationen kurz zusammengefasst, wobei diese Zusammenfassung keinen vollständigen Charakter aufweist.

Am 15.08.2017 stellten die Fluggesellschaft und ihre persönlich haftende Gesellschafterin (Air Berlin PLC) jeweils Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg. Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat den Antrag auf Eigenverwaltung angenommen und als vorläufigen Sachwalter Herrn Professor Dr. Lukas Flöther eingesetzt.
 
Die Eigenverwaltung (§§ 270 ff. Insolvenzordnung) bietet dem Schuldner (Air Berlin) die Möglichkeit, die Insolvenzmasse unter Aufsicht des Sachwalters selbst zu verwalten und über sie zu verfügen. Der eigenverwaltende Schuldner wird faktisch zum Insolvenzverwalter seines eigenen Unternehmens. Während dieser Eigenverwaltung unterstehen die wirtschaftliche Lage sowie die Geschäftsführung des Schuldners der ständigen Kontrolle durch den Sachwalter. Bei der Eigenverwaltung handelt es sich um ein (vorläufiges) Verfahren, das dem Insolvenzverfahren vorgeschaltet ist und die Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) ermöglichen soll.
 
Der Flugbetrieb der Air Berlin wird vorerst aufrechterhalten, wobei dies durch einen mit Bundesbürgschaft abgesicherten Übergangskredit in der Höhe von 150.000.000 € ermöglicht worden ist. Dieser Übergangskredit wurde inzwischen von der EU-Kartellbehörde genehmigt.
 
Aktuell sind der Schuldner sowie der Sachwalter bemüht, die werthaltigen Assets der Fluggesellschaft gewinnbringend zu verkaufen. Hierfür wurde eine Bieterfrist gesetzt, die am 15.09.2017 endet. Geplant ist, dass die ersten Verkäufe Ende der nächsten Woche (38 KW) bekannt gegeben werden.
 
Wichtig ist der Hinweis, dass zum jetzigen Zeitpunkt seitens des Insolvenzgerichtes keine Entscheidung über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens getroffen worden ist. Dies bedeutet, dass die Forderungen der Gläubiger nicht angemeldet werden können. Dementsprechend werden die Forderungen der Gläubiger erst in dem eröffneten Insolvenzverfahren angemeldet und gegebenenfalls bedient werden können.
 
Es ist damit zu rechnen, dass erst nach dem Verkauf der werthaltigen Assets eine Entscheidung über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens getroffen wird. Im Falle der Eröffnung dürfte die Insolvenzmasse durch den vorangegangenen Verkauf der gewinnbringenden Werte stark reduziert sein. Zu berücksichtigen ist ferner, dass von dem Verkaufserlös vorrangig der gewährte Übergangskredit in der Höhe von 150.000.000 € ausgeglichen wird.
 
Über die Höhe einer eventuell an die Gläubiger auszuzahlenden Insolvenzquote kann derzeit keine Prognose abgegeben werden. Zudem kann ebenfalls keine Prognose über den Zeitraum der Aufrechterhaltung des Flugbetriebes abgegeben werden. Insbesondere durch die zahlreichen Krankmeldungen der Piloten in den letzten Tagen dürfte eine gewichtige Beschleunigung des cash burn eingetreten sein.